Zitate und Sprüche
im schatten des wortes
der schatten des wortes ist schnell, er ist immer schon da.
wörter haben sich aus klängen gebildet.
klänge waren die schwingung, die zum bezeichneten passten.
heute liegen welten zwischen dem zu bezeichnenden
und den schwingungen, die der körper erzeugt.
gehen wir in den krieg sagt der eine.
sagt der andere ja.
sprache ist nicht mehr im angesprochenen bildreservoir verankert.
somit ist sie ein verständigungsmittel geworden,
ein mittel, das über die festlegung der bedeutung von klängen funktioniert.
unser hirn kann das alles behalten.
doch auf der bildebene produziert ein jeder zusätzlich und in windeseile
seinen wortschatten.
er ist geradezu vor der zur verständigung dienenden bedeutung da.
der wortschatten haftet an den schwingungen, haftet an seelenbildern,
haftet an uralten tagen.
er ist der teich des zusammenhanges von ausdruck und empfinden.
also ist der wortschatten direkt.
das direkte haben wir schon lange nicht mehr gern.
wir haben es überlagert.
und erzeugen den eindruck,
als könnte man von gleichen empfindungen zu einem wort ausgehen.
wie das lautsystem den eindruck erzeugt,
man könnte von der gleichheit des verstehens ausgehen.
das schafft verwirrung.
systeme entfernen den menschen von sich.
sie herrschen, haben ungeheure kräfte.
verweisen auf die vereinheitlichung.
zwingen uns in einheitskleidung und einheitssprachen.
der wortschatten verweist auf das eigene, auf das eigentliche.
er bedarf der zuwendung.
im wortschatten braucht es zeit, sich zu verständigen.
es ist nicht der schatten, der verwirrung stiftet.
der schatten deutet lediglich auf die verwirrung, die das system in sich birgt.
der schatten legt die unzulänglichkeit das systems offen.
doch wir sind ungehalten über den schatten.
renate langgemach, www.renatelanggemach.de
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Wo bist Du ?
Du hast viele Worte gesprochen, die andere Dir in den Mund gelegt haben.
...hast Du schon Deine Worte gesagt ?
Du hast vieles gesehen, worauf andere Dich aufmerksam machten.
...hast Du schon mit Deinen Augen geschaut ?
Du hast vieles gemacht, was andere so tun.
...hast Du schon Dein Herz machen lassen ?
Du hast viel gefühlt, wie andere sagen, man fühle so.
...hast Du schon einmal Dich gespürt ?
aus "Du sprichst von Nähe", Verschenk-Texte von Kristiane Allert-Wybranietz, Verlag Heyne
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